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Griff ins Risiko: Design trifft Realität

Versenkbare Türgriffe sehen nach Zukunft aus und sollen Reichweite bringen. Doch nach Unfällen geraten sie zunehmend in die Kritik. Neue Vorgaben und strengere Crashtests rücken ein kleines Bauteil ins Zentrum der Sicherheitsdebatte.

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Zwischen Designanspruch und Sicherheitsfrage – der Türgriff rückt in den Fokus. Bild: Mercedes-Benz

Ein Türgriff fällt kaum auf. Er begleitet jede Fahrt, jede Pause, jeden Einkauf. Doch im Ernstfall entscheidet genau dieses Detail darüber, wie schnell Hilfe ins Fahrzeug gelangt. Während Hersteller auf bündige Flächen und Sensorik setzen, fordern Prüforganisationen und Rettungskräfte einfache, verlässliche Lösungen.

Design mit Tücken
Flächenbündige oder ausfahrbare Türgriffe haben sich in wenigen Jahren etabliert, besonders bei E-Autos. Das Tesla Model S machte die elektrisch ausfahrbaren Griffe populär, zahlreiche Marken zogen nach – darunter Mercedes-Benz, Kia, Xpeng und Leapmotor. Die Idee überzeugt auf den ersten Blick: Eine glatte Karosserie verbessert die Aerodynamik, reduziert Windgeräusche und unterstützt das Effizienzkonzept moderner Fahrzeuge. Gerade bei Elektroautos zählt jedes Detail im Luftstrom. Im Alltag zeigen sich jedoch Schwächen. Manche Systeme reagieren verzögert oder fahren unerwartet aus. Zudem signalisieren ausgefahrene Griffe deutlich, wenn das Fahrzeug nicht verriegelt ist. Das wirkt innovativ, aber nicht immer durchdacht.

Wenn Technik ausfällt
Nach einem Unfall zählt jede Sekunde. Einige Konzepte entriegeln Türen primär elektrisch – per Sensor, Taster oder Funksignal. Fällt die Bordelektrik aus oder blockiert ein Stellmotor, bleibt der Griff eingefahren. Die Tür lässt sich von außen nicht sofort öffnen. Der ADAC rät deshalb, die mechanische Notentriegelung vor Fahrtantritt zu kennen. Auch die National Highway Traffic Safety Administration prüft nach Unfällen unter anderem beim Tesla Model 3, wie gut sich Notlösungen finden und bedienen lassen. 

Neue Regeln, klare Richtung
China führt verbindliche Vorgaben ein. Ab 2027 müssen neue Modelle außen und innen über mechanische Entriegelungen verfügen. Elektrische Systeme dürfen ergänzen, aber nicht ersetzen. Für bestehende Baureihen gilt eine Übergangsfrist bis 2029. Auslöser war ein schwerer Unfall mit einer Xiaomi SU7 Ultra, bei dem Passanten Medienberichten zufolge die Tür nicht rechtzeitig öffnen konnten. Der Fall beschleunigte die Regulierung deutlich. Auch Euro NCAP verschärft die Bewertungskriterien. Türen müssen sich nach einem Aufprall zuverlässig öffnen lassen, damit Einsatzkräfte schnellen Zugang erhalten. Hersteller, die global entwickeln, passen ihre Konzepte entsprechend an.

Mehr als nur ein Detail
Der Türgriff verbindet Design, Technik und Sicherheit. Werkstätten können dieses Thema aktiv aufgreifen: Funktion prüfen, Softwarestände kontrollieren und Notmechanismen erklären. Wenn ein Griff hakt oder verzögert reagiert, sollte das nicht als Komfortthema enden. Ob der klassische Bügelgriff zurückkehrt oder neue Hybridlösungen entstehen, bleibt offen. Klar ist jedoch: Ein Türgriff muss nicht nur gut aussehen, sondern im entscheidenden Moment zuverlässig funktionieren.